1001 Nacht auf deutsch: Der orientalische Markt in Saarbrücken-Burbach

Da die letzten Tage bei mir unheimlich viel los war, bietet sich heute die Gelegenheit, euch ein Stückchen durch die Zeit reisen zu lassen. Es geht zurück zum 20. Mai und zwar auf den Burbacher Marktplatz in Saarbrücken. Jedes Jahr findet dort der orientalische Markt statt, auf dem die Multikulturalität des Stadtviertels aufgegriffen und als mittlerweile beliebtes und gut besuchtes Event nach außen getragen wird. Um jedoch der Realität treu zu bleiben, werde ich euch nun nicht mit Wortspielen rund um den Orient umgarnen und erzählen, dass man sich fühlte wie in einem Märchen aus 1001 Nacht. Saarbrücken ist ein Teil Deutschlands, auch wenn dies nicht immer so war. Und dieser Markt ist kein Theaterstück mit lückenloser Kulisse, sondern besteht eben aus Verkaufsständen – mitten in Burbach. Trotzdem hatte ich einen wunderbaren Tag und werde dieses Event auch im kommenden Jahr wieder besuchen. Von meinem Blickwinkel aus steht nämlich primär der Austausch verschiedenster Menschen mit unterschiedlichen nationalen Wurzeln im Mittelpunkt. Es steht außer Frage, dass dieser erfolgreich stattgefunden hat. Und gerade momentan lohnt es sich doch sehr, dieses Thema aufzugreifen.

Traditionelles Kunsthandwerk

Jetzt aber erst mal von vorne. Wie sicherlich viele andere unter euch auch, zähle ich zu den ehemaligen Pauschaltouristen, die viele Jahre hintereinander routiniert in die Türkei strömten. Diese schönen Familienurlaube sind mir durchaus in positiver Erinnerung geblieben, auch wenn ich meine Reisen heute lieber etwas individueller gestalte. Dank dieser nostalgischen Kindheitserinnerungen fällt es mir sehr leicht, mich für orientalische Elemente – sei es aus dem Bereich Kulinarik, Kunstwerk oder Show – zu begeistern. Hier sei direkt angemerkt: Auf dem Markt waren natürlich nicht nur türkische Aussteller vertreten, sondern Menschen vieler weiterer Nationalitäten, die alle ein Stückchen ihrer Heimat präsentierten.

Geknüpfte Teppiche und Tücher

Wie man in meinem letzten Blogpost über den Foodtrip nach Köln schon erkennen konnte, esse ich leidenschaftlich gerne. Leider habe ich ausgiebig gefrühstückt bevor ich den Markt besucht habe, demnach fiel die kulinarische Experimentierfreude leider etwas knapp aus. Glaubt mir, ich habe aus diesem Fehler schon jetzt fürs nächste Jahr gelernt! Aber immerhin hatte ich Begleitung von tellofrikadello, der mir großzügiger Weise leckere vegetarische Gözleme, gefüllte Weinblätter, Couscoussalat, Hummus und Falafeln zum Probieren zur Verfügung gestellt hat. Dazu gab es persische Limonade mit Granatapfel und Rosenwasser. Diese waren übrigens nicht nur super lecker (nämlich nicht übersüßt sondern fruchtig und erfrischend) sondern auch märchenhaft schön präsentiert. Schaut mal bei den Mädels von MEHRdSEIN vorbei und überzeugt euch selbst!

Spätestens bei den Süßspeisen konnte ich mich dann aber doch nicht mehr zurückhalten. Wir hatten eine wahnsinnig leckere Auswahl süßer Gebäckpralinen mit Grieß, Nüssen und Datteln. Dazu gab es Eis von meiner Lieblingseisdiele. Hier sei vielleicht erwähnt, dass Henrys Eismanufaktur keinen südländischen Hintergrund hat, sondern in Saarbrücken ansässig ist und mit regionalen Produkten arbeitet. Trotzdem wurde das Angebot auf den Anlass abgestimmt, weshalb ich euch dieses exotische Eiserlebnis nicht vorenthalten will: Wir entschieden uns für Banane-Dattel-Honig, Wildrose, Ayran-Gurke-Minze und Kaffee-Kardamon.

Neben den kulinarischen Höhepunkten konnte man sich allerlei Tanzaufführung ansehen, von traditionell bis modern, von den Kleinsten, die in Tracht die ersten Schritte zeigten bis hin zu bewundernswerten Leistungen in Bauchtanz und Volklore. Und auch das klassische Kunsthandwerk war ausgiebig vertreten.

Orientalische Märkte haben für mich einfach etwas Bezauberndes, denn sie lassen Einblicke in eine andere Welt zu und versprühen ein bisschen Urlaubsfeeling. Natürlich gab es auf dem Markt in Burbach auch Anbieter, deren Verkauf zweckgerichtet war. Die Gelder sollten Integrationsprojekten zu Gute kommen oder sozial schwache Familien unterstützen. Ich halte dies für genau den richtigen Weg: Offener Austausch und Menschlichkeit überzeugen mehr als anonyme Zahlen und Politikermeinungen. In einem Land, in dem die AfD täglich auf Stimmenfang geht und in einem Bundesland, indem die CDU unangefochten an der Spitze steht, wird in einigen Kneipen an so manchem Stammtisch wild geschimpft über Migration und Flüchlingsströme – und das nicht nur im Saarland. Doch an diesem Tag auf dem Burbacher Marktplatz hat sich mir ein Bild gezeigt, das Hoffnung schöpfen lässt. Viele aufgeschlossene Menschen kamen zusammen, teils neugierig, teils offen dafür die eigene Kultur mit den deutschen Nachbarn zu teilen. Gleichzeitig blutet einem das Herz, wenn man an einem solchen Ort und einem so erfüllenden Tag an die sich im Zerbrechen befindlichen deutsch-türkischen Beziehungen denkt. Es bleibt lediglich zu hoffen. Und zwar auf diese Menschen, die friedlich und weltoffen nicht nur nebeneinander, sondern miteinander leben.

Orientalischer Markt

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