Geisteswissenschaftler*innen der Saar-Uni fiebern nicht enden wollendem Oktoberfest entgegen

***Achtung! Bei diesem Blogbeitrag handelt es sich um einen satirische Stellungnahme zu aktuellen Ereignissen. Es besteht kein Anspruch auf realitätsgetreue Abbildung.***

Das Leben ist kein Ponyhof – das wissen vor allem die Studierenden der Geisteswissenschaften, die trotz eines abgeschlossenen Studiums zu Problemkindern des Arbeitsmarktes werden. Den Absolvent*innen fehlt es einfach an Kompetenzen, die beispielsweise in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) oder der Betriebswirtschaftslehre kontinuierlich vermittelt werden: Statt sturem Auswendiglernen wird das selbstständige und kritische Denken geschult. Fachidiotie wird durch Interdisziplinarität ersetzt. Zahlreiche Hausarbeiten an Stelle von Klausuren sollen gewährleisten, dass Inhalte selbstständig erarbeitet, angeeignet, auf ein Ziel hin untersucht und letztlich auch noch zu einem Ergebnis gebracht werden können. Was soll mit diesen Qualifikationen erreicht werden? Wer will in einem Land der Dichter und Denker leben, wenn man auch zwischen Rechtspopulismus und linker Gewalt pendeln kann? Unter diesen Gesichtspunkten ist es zweifelsfrei unvorstellbar, wie diese Grundlagen der Gesellschaft von Nutzen sein sollen! Der Stempel „unvermittelbar“: zurecht aufgedrückt. Die wagemutigen Zukunftsaussichten: Im Beruf des*der Taxifahrer*in wird das unnütze Wissen immerhin noch zur Unterhaltung der Fahrgäste dienen.

An der Universität des Saarlandes spiegelt sich der längst überfällige Zerfall der Geisteswissenschaften nun auch materiell wider. Die Gebäude C5.2 und C5.3 entsprechen – wie die in ihnen gelehrten Fächer – nicht mehr den Ansprüchen der Zeit und werden demnach je zur Hälfte abgerissen und vorerst zur Sanierung stillgelegt. Für geschätzte fünf Jahre müssen die Studierenden in anderen Räumlichkeiten untergebracht werden. Man fragt sich, warum zur Unterstützung der Sparmaßnahmen die Geisteswissenschaften nicht einfach gänzlich gestrichen und die Uni als Ergänzung zur HTW auf ihren ohnehin hochgelobten Schwerpunkt, die Informatik, reduziert wird. Glücklicherweise hat Klaus Bouillon (CDU), Minister für Inneres, Bauen und Sport, eine kostengünstige Alternative parat: Ein Zelt muss her! Nachdem in der Landesaufnahmestelle für Geflüchtete in Lebach bereits gute Erfahrungen mit dieser Unterbringung gemacht wurden, sei diese Lösung auch für die Saar-Uni höchst empfehlenswert. Die saarländischen Medien berichteten: Saarbrücker Zeitung, SR.de.  Obwohl sich der AStA der UdS in seinem jugendlichen Leichtsinn noch gegen diesen Geistesblitz ausspricht, scheint die beste Lösung bereits gefunden zu sein.

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Man stelle sich folgendes Szenario vor: Auf der Wiese am Campus Center, dem dann ehemaligen Hubschrauberlandeplatz, wird das Zelt thronen, in dem auf Bierbänken hunderte realitätsferne Geisteswissenschaftler*innen ihren gewohnten Tätigkeiten nachgehen. Es herrscht Oktoberfestatmosphäre, denn die historisch orientierten Kulturwissenschaften (HoK) haben eines ihrer zuvor einmal jährlichen von der Fachschaft organisierten, Events ausgerichtet: Das HoKtoberfest kann sich nun für mindestens fünf Jahre regem Zustrom erfreuen. Auch für Dekoration ist gesorgt: Die insgesamt fünf Bereichsbibliotheken, die einst den maroden Gebäuden innewohnten, verfügen über ausreichend, nun nicht mehr benötigtes Papier, um die neue Unterkunft gemäß des Anlasses zu gestalten. Vereinzelt hängen stämmige Studentinnen mit Herrenhaarschnitt (über deren sexuelle Orientierung aus „political correctness“ keine Aussage getroffen werden darf) Gendersternchen auf, und werfen wütende Blicke in Richtung Bühne, wo die Musikwissenschaftler sorgenfrei einen sexistischen Klassiker nach dem anderen zum Besten geben. Beliebte Hits wie „Lischen, Lischen, Lischen komm ein bisschen, bisschen, bisschen auf den Rasen“, „Joanna – geboren um Liebe zu geben“ und „Geh mal Bier holen, du wirst schon wieder hässlich“ zeigen: Die Genderdebatte ist nun wirklich mehr als unbeliebt und völlig ohne Bedeutung. Anthropolog*innen im Hipster-Look erarbeiten Bräuche und Riten der deutschen Tradition und erörtern gemeinsam mit den Germanist*innen im Auftrag der Gender Studies, welche Liedtexte für das Oktoberfest besonders mit Blick auf die Historie überhaupt passend seien.

Betrunkenen Anglist*innen und Romanist*innen, unter ihnen experimentierfreudige Erasmus-Studierende, versuchen währenddessen die Grenzen ihrer Trinkfestigkeit anhand der Methode des Inhalierens von deutschem Fassbier auszutesten. Zu ihnen gesellen sich zahlreiche, leicht melancholische Philosoph*innen, die nicht minder betrunken nun endlich ihren Horizont erweitert sehen und die Logik von Descartes „bösem Dämon“ vollends akzeptiert haben, jeglichen ontologischen Gottesbeweis aufgrund ihrer Situation jedoch ad absurdum geführt sehen. Das alternative Philo-Café, einst in Gebäude C5.2 untergebracht, sorgt für die Bewirtung, befindet sich allerdings noch in hitzigen Debatten mit den Kulturtheoretikern, ob nicht die vorwiegend vegane Küche Schweinshaxen und Weißwürste ersetzen könne oder ob Traditionen tatsächlich unabdingbar für die deutsche Leitkultur seien. Glücklicherweise muss man sich um die Geograph*innen samt zugehöriger Bibliothek nicht mehr sorgen – deren Abschaffung wurde bereits im letzten Jahr beschlossen. Dank der feucht-fröhlichen Atmosphäre fallen weder die Kälte im Winter, noch die Hitze im Sommer und auch nicht der vier Jahre länger als geschätzt anhaltende Baulärm ins Gewicht.

Wenn nun auch du, liebe*r Leser*in, dir bei diesem motivierenden Bild wünschst, Geisteswissenschaftler*in zu sein, so bist du herzlich eingeladen dich an der Saar-Uni einzuschreiben und diesem bunten Treiben beizuwohnen. Doch vergesse nie: Die sorgenfreie Zeit des unbeschwerten Studiums wird in den langen Nächten auf dem Fahrersitz des Taxis schnell vergessen sein.

 

***Achtung! Bei diesem Blogbeitrag handelt es sich um eine satirische Stellungnahme zu aktuellen Ereignissen. Es besteht kein Anspruch auf realitätsgetreue Abbildung. Da ich mir sicher bin, dass alle erwähnten, geisteswissenschaftlichen Studierenden über ausreichend Humor verfügen sich nicht angegriffen zu fühlen, bitte ich die BWL- und MINT-Studierenden um Verzeihung für meine stereotype Voreingenommenheit und versichere ihnen hiermit ihre unabdingbare Wichtigkeit für die deutsche Wirtschaft, in der wir Geisteswissenschaftler noch immer nur in den seltensten Fällen anerkannt werden.***