Deutschlandtour Teil III – Entlang der Küste von Nord nach Ost

Berlin zu verlassen fällt ausnahmslos jedes Mal schwer. Ein wenig erträglicher war es allerdings mit Aussicht auf ein paar Tage Meer und Strand. Entgegen unserer ursprünglichen Planung wird das der letzte Teil unserer Deutschlandtour sein. Da das Wetter weiterhin nicht mehr auf unserer Seite sein wird, haben wir beschlossen das Wochenende in Köln abzusagen und früher nach Hause zu fahren. Immerhin kennen wir die Stadt schon, es wäre also nur ein kleiner Bonus gewesen, nochmal dort Halt zu machen. Stattdessen haben wir jetzt eine lange Heimfahrt vor uns, an deren Ende unser eigenes Bett wartet. Wir freuen uns, Zuhause anzukommen und vor allem darauf, wieder selbst kochen und waschen zu können. Alles hat seine Vor- und Nachteile…

Zweite Etappe – Details

Reisezeitraum: 31.08.- 08.09.2017

Lage: St. Peter-Ording, Nordsee, Flensburg und Heiligenhafen, Ostsee

Unterkunft 1: Beach Motel in SPO ♥♥♥♥♥

Unterkunft 2: Hotel Hafen Flensburg ♥♥♥♥+

Unterkunft 3: Bretterbude Heiligenhafen ♥♥♥+

Ausflüge: Fehmarn, Lübeck

Kilometer: 81,2 km

An der Nordseeküste… im Beach Motel St. Peter-Ording

Ich gebe zu, dass ich mich mit Nord- und Ostseeurlaub im Voraus nicht ausgiebig beschäftigt hatte. St. Peter-Ording rief bei mir in erster Linie Assoziationen von Kururlaub und Ferienresidenzen der Besserbetuchten hervor. Glücklicherweise wurde ich eines Besseren belehrt. Das Beach Motel lädt in herrlich lockerer Atmosphäre zum Verweilen ein. Die zur Verfügung stehenden Bullystellplätze und Surfshops bestimmen das Publikum. Obwohl wir weder einen Wohnwagen noch geringste Surfkenntnisse besitzen, haben wir uns rundum wohlgefühlt. Das Konzept ist dermaßen stimmig, dass wir hier gerne die volle Punktzahl vergeben.

Mein persönlicher Bonus geht – mal wieder – fürs Frühstück drauf, denn dieses gibt es bis 12 Uhr! Perfekt für Langschläfer oder aber die von mir eher aus der Ferne beobachtete Spezies der Frühsportler, die nach dem morgendlichen Joggen, Surfen, o.ä. noch ausgiebig duschen und demnach lieber spät frühstücken möchten. Außer ausgedehnten Strand- und Dünenspaziergängen konnten wir hier leider nicht all zu viel unternehmen, da ich mir eine Erkältung zugezogen hatte und demnach viel Zeit im – glücklicherweise – schönen Zimmer verbrachte.

Zu St. Peter Bad und St. Peter Dorf kann ich allerdings sagen, dass meine Vorurteile sich tatsächlich bewahrheiteten. Die Cocktail- und Tacobar im Beach Motel ist vermutlich der hippste und jüngste Spot in dieser Gegend. Das kam uns gerade recht und so beendeten wir unseren letzten Abend dort, mit einer großen Portion Do-it-yourself-Tacos und leckeren Drinks auf der Terasse.

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Hotel Hafen Flensburg – kleine Stadt, großartige Unterkunft

Auf dem Weg nach Heiligenhafen legten wir eine Nacht Zwischenstopp in Flensburg ein, der Stadt die damit wirbt die nördlichste Deutschlands zu sein – es aber garnicht ist. Der Plan war eigentlich die Straßen ein wenig zu erkunden, doch der fiel nicht nur in der Tat ins Wasser (das Wetter spielte nicht ganz mit) sondern scheiterte auch an Flensburg selbst. Die Stadt verfügt zwar über einen Hafen mit schönen, teils historischen Schiffen und auch über nette kleine Häuschen in der Altstadt. Doch wer die Einkaufsstraße einmal durchquert hat, ist gefühlt auch schon am Ende der Besichtigungstour angekommen. Vielleicht war ich auch einfach nur mit falschen Erwartungen angereist, aber selbst das Tor der Hansestadt ist winzig – und zudem auch von beiden Seiten zugeparkt und demnach nicht mal ein Foto wert.

Das wohl eigentliche Highlight für Touristen scheint ein sich durch die Stadt ziehendes modernes Kunstwerk zu sein: An zwischen den Häusern gespannten Drahtseilen, die früher für die Straßenbahn genutzt wurden, hängen heute hunderte alte Schuhpaare. Die eigentliche Idee hinter dieser seltsamen Installation bleibt ungewiss, es ranken sich nur zahlreiche Mythen darum: Politischer Protest? Geheime Wegweiser? Eine versteckte Botschaft? Sehr charmant sind außerdem die kleinen Hinterhöfe, direkt in der Fußgängerzone, die Tee-, Kaffee- oder Rummanufakturen beherbergen. In einem solchen haben wir auch zu mittag gegessen: Das gemütliche Bistro Strandgut im Neptunhof verfügt nicht mal über eine Speisekarte, denn am Morgen wird frischer Fisch auf dem Markt eingekauft und mit der erbeuteten Ware improvisiert. Für mich gab es natürlich die vegetarische bzw. vegane Alternative. Genau das Richtige für ein nicht zu üppiges, aber günstiges und gekonnt zubereitetes Mittagessen.

Die meiste Zeit des Tages haben wir letztlich also im Hotel Hafen Flensburg verbracht. Dort erwartete uns nicht nur ein erstklassiges Zimmer mit großem Penthouse-Balkon, sondern auch ein Abendessen im Restaurant Columbus. Das Hotel wurde erst im Januar 2017 eröffnet, ist demnach noch ganz neu und liegt direkt am Hafen und zugleich nahe der Einkaufsstraße. Einen winzigen Punktabzug gibt es unsererseits für die etwas schwierige Verdunkelung der Fensterfront, hinter der ein toller Ausblick auf Flensburg liegt. Außerdem wurde auf hochwertige Materialien gesetzt, was keineswegs für negative Kritik sorgen sollte, aber schlichtweg nicht ganz unseren Geschmack getroffen hat – so beispielsweise die begehbare Marmordusche im Badezimmer.

Jetzt gehen wir allerdings vom Meckern auf ganz hohem Niveau über zu Küche auf ganz hohem Niveau. Das 3-Gänge-Menü am Abend war vermutlich das Beste, was ich je gegessen habe. Zudem war der Service nicht etwa steif, wie man es in einem Vier-Sterne-Haus erwarten könnte, sondern zuvorkommend, aufmerksam und höchst professionell. Zur Vorspeise gab es für tellofrikadello einen Meeresfrüchtesalat mit Fenchel und für mich Avocado an Süßkartoffelpüree mit Ziegenkäsecreme. Bei der Hauptspeise entschied ich mich für Tagliatelle mit Pfifferlingen, tellofrikadello wählte das Surf and Turf mit Brokkoli und Süßkartoffeln. Den krönenden Abschluss bildete eine Dessert-Triologie von warmem Schokokuchen, Topinambur-Eis und Apfel-Zimt-Kompott, sowie eine Creme Brulée mit Aprikosen. Ich denke es gibt nicht hinzuzufügen, was sich mit Worten ausdrücken ließe.

Nach einem absolut überzeugenden Frühstück, mit umfassender Auswahl und wirklich sehr hoher Qualität, hieß es für uns schon wieder Abschied nehmen.

Bretterbude Heiligenhafen – Meerblick aus der Holzklasse

Ankunft in unserer letzten Unterkunft. Direkt am Ostseestrand in Heiligenhafen liegt die Bretterbude, als Nachbar der zweiten Niederlassung des Beach Motels, welches hier allerdings in einen groß angelegten Ferienpark ausartet und demnach ein wenig seines Charmes aus S.P.O. einbüßt. Die Bretterbude überzeugt mit einem rundum stimmigen Konzept. Die „Holzklasse“ stellt ihre Räumlichkeiten Low-Budget-Reisenden zur Verfügung, die jedoch nicht auf die optimale Lage und Meerblick aus dem Zimmer verzichten wollen. Neben dem gewollt rohen Stil bei Inneneinrichtung und Gestaltung zeigt sich diese Absicht schon bei der Buchung: Frühstück und Zimmerreinigung können gegen Aufpreis optional zugebucht oder eben von Sparfüchsen selbst übernommen werden. Unsere Etagenbutze war leider sehr eng, was mit zwei großen Koffern im Zimmer schon problematisch wurde und das Badezimmer haben wir beim Duschen hin und wieder gänzlich geflutet. Hier gibt es also einen kleinen Minuspunkt. Der Gesamteindruck ist aber stimmig, was durch ein durchgängiges Branding und detailverliebt gestaltete Zimmer auffällt.

Den großen Abzug gibt es wegen des vergeigten Frühstücks. Man fragt sich tatsächlich wer wohl den dafür angesetzten Preis auf welcher buchhalterischen Grundlage kalkuliert hat. Kaffee aus dem Thermobehälter, kaltes Rührei und mäßig bestückte Käse- und Wurstplatten. Mehr als zwei Tage hintereinander ist das Angebot wirklich nur schwer auszuhalten. Abwechslungsreichtum und Regionalität gleich null! Das ist wirklich sehr schade, denn auch der „Strandschuppen“ überzeugt das Auge. Besonders schön ist der Außenbereich, der zu großen Teilen verglast und demnach wind- und wetterfest ist. Zusätzliche Wärmestrahler sorgen dafür, dass man sein Essen mit Blick auf den Sonnenuntergang überm Strand genießen kann. Hier wurde mitgedacht!

Da die komplette Nord- und Ostseeregion, aber auch Heiligenhafen im Speziellen, ein großes Problem mit vegetarischer Küche hat, ging es für uns zum Essen ins hoteleigene Restaurant. Die Gerichte dort waren zwar nicht ausgefallen, aber lecker und im Preisniveau der Hafenregion nicht all zu teuer. Für den kleinen Hunger ist auch Marina Crêpes auf der Hafenpromenade zu empfehlen. Leckerer Kaffee, Eis und wie der Name schon erahnen lässt: Crêpes in allen Variationen – auch herzhaft und vegetarisch. Sonst könnt ihr euch – falls ihr nicht auf vegetarische Kost angewiesen seid – einfach mal umschauen, die Auswahl an Restaurants ist groß. Kleiner Zusatztipp an dieser Stelle: Meidet auf jeden Fall das Restaurant „Nordpol“ in Heiligenhafen. Hier ist der fangfrische und eigentlich hochwertige Fisch definitiv umsonst gestorben und die „Remoulade“ bestand wohl zu 80% aus Zucker. Selbst der Kräuterquark zur Ofenkartoffel (eine von zwei vegetarischen Alternativen) war misslungen. Eine Zumutung!

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Statt einer kulinarischen Hochburg erwartet euch in Heiligenhafen eher ein etwas touristischer Strand, der aber entlang der gut ausgebauten Promenade etwas menschenleerer wird. Wer mag, kann querfeldein zur Steilküste wandern, wo es dann tatsächlich idyllische Aussicht satt gibt – fast wie in Irland. Die hässlichen Hotelplattenbauten verschwinden im Hintergrund und ein recht naturbelassener Wanderweg führt über Kuhweiden und entlang der Küste. Wer nach etwas mehr Ruhe sucht, findet sie hier. PS: Regenjacke nicht vergessen!

Ausflüge

Fehmarn

Nach einem gänzlich verschwendeten Tag auf Fehmarn wurde uns etwas deutlicher, warum heute kaum noch jemand Reiseführer nutzt: Sie sind entweder komplett veraltet oder die netten Worte sind vielleicht sogar vom ein oder anderen Stadtmarketing erkauft. Dafür haben wir natürlich keine Beweise, es ist nur eine Vermutung. Was wir aber wissen ist, dass Fehmarn definitiv KEINEN Ausflug wert ist, KEINE malerische Steilküste aufzufinden war und auch KEINE gemütlichen Städtchen übrig geblieben sind, nachdem fehlgeleitete Touristenströme hier ein Mekka des Mainstreams errichtet haben. Vermutlich mögen einige Rentner die „Ruhe“ auf den kilometerlangen Radstrecken, doch hier fehlt eindeutig ein Warnschild, das auf absolute Ereignislosigkeit hinweist. Wir haben viel für Natur übrig und brauchen nicht immer eine hippe Großstadt zum Glücklichsein. Aber egal wie oft wir uns an diesem Tag überwunden haben die Insel nicht vorzeitig zu verlassen, sondern ein weiteres ausgeschriebenes Sightseeing-Ziel anzusteuern, wir wurden jedes Mal enttäuscht. Unser Fazit: Macht einen großen Bogen um Fehmarn! Achso, und lasst euch von keiner noch so verwegenen Bierwerbung weißmachen, es gäbe die klassischen rot-weiß geringelten Leuchttürme an jedem Nord- und Ostseestrand. Denn selbst die auf der Karte gekennzeichnet waren eine absolute Enttäuschung.

Lübeck

Zum Glück muss ich dank des Reiseberichts aus Lübeck nicht so negativ enden, wie die Fehmarn-Episode es erwarten lässt. Möglicherweise packte uns am Ende auch ein klein wenig das Heimweh, was den kritischen Blick auf unsere letzte Etappe erklären könnte. Jedenfalls ist die Hansestadt Lübeck tatsächlich Pflichtprogramm für jeden, der hier in der Gegend unterwegs ist. Viele Gebäude zeugen noch von der langen Geschichte, die nicht nur im frühen Mittelalter bewegt war, sondern bspw. auch aus Zeiten der deutsch-deutschen Teilung zu erzählen hat, als Lübecks Stadtgrenze auch die zwischen West und Ost war. Architekturliebhaber und Fotobegeisterte kommen bei den steinernen Sakral- und Verwaltungsbauten auf ihre Kosten. Uns hat es besonders der Dom angetan.

Wer auf Shopping aus ist, wird ebenfalls nicht enttäuscht. Wir hatten gehofft ein paar kreative Ecken zu finden, vielleicht ein Studentenviertel. Doch auf der Altstadtinsel hält sich wacker der etwas traditionelle Charme. Vielleicht hätten wir die Media Docks im Hafen besuchen müssen, um Spuren der Moderne zu entdecken. Doch wozu? Es ist nunmal gerade die scheinbare Zeitreise, die solche Tagesausflüge ausmacht.

Mehr Bilder unserer Reise findet ihr auf Instagram bei blocksatz.co, just_tanja_ und tellofrikadello!