Neues Jahr, neuer Umzug – Die vier Phasen der Wohnungssuche

Es ist mal wieder soweit. Seit ich im August 2013 das erste Mal umgezogen bin und damit das sichere Nest des Elternhauses verlassen habe, folgten bisher insgesamt sieben Umzüge. Und ja, der Titel verrät es bereits: Nummer acht steht bevor. Nun könnte man fast annehmen, es würde sich zu einem Hobby entwickeln, zu einem kleinen Kick im sonst geregelten Alltag oder schlimmstenfalls gar zu einem Spleen oder einer Sucht! Doch ich kann euch beruhigen: Ich tue das nicht, um meine fleißigen Umzugshelfer zu ärgern oder gar aus Spaß, nein, ich hasse es! Da es aber auch für diesen Wohnungswechsel wieder triftige Gründe gibt, begebe ich mich also erneut auf die Suche. Und während ich so schreibe, fällt mir auf: Mit den Wohnungen ist es bei mir wie für viele andere mit der Liebe!

Phase I: Reinste Euphorie

Da liegt es also, das Kündigungsschreiben. Sauber verpackt in einen weißen Umschlag und beklebt mit einem kleinen Vermögen in Form verheißungsvoller Briefmarken – bereit, um auf die Reise zu gehen. Das Ende dieser alten Liebe, die noch vor einem Jahr so vielversprechend startete, steht bevor. Es wurde auch wirklich zu eng hier und diese kleinen Macken, die einem erst im Alltag auffielen und dann unübersehbar wurden… Es reicht! Also auf zu neuen Ufern! Wohin wird es mich wohl verschlagen? Endlich in die Innenstadt, zum Kern des Geschehens? In eine kleine Wohnung, vielleicht im dritten Stock, den man durch ein Treppenhaus erreicht, in dem es nach Nudelauflauf und darüber etwas nach Gras riecht. Diese Nachbarn… Unten hört man im Vorbeigehen den Fernseher und die junge Familie im Erdgeschoss hat mal wieder den Kinderwagen mitten im den Weg stehen lassen. Morgens könnte man zu Fuß Brötchen holen und wieder den Bus zur Uni nehmen! Theater und Restaurants um die Ecke – endlich Teil der Urbanität werden. Eine neue, aufregende Beziehung eingehen, in der man nie weiß, was einen wohl in der nächsten Nacht erwartet. Oder vielleicht könnte man sich sogar vergrößern! Ein Stückchen nach draußen ziehen, ins Wohngebiet. Dort gibt es ja immerhin Anschlüsse, es fahren Busse und Straßenbahnen. Man wäre ja nicht wirklich ab vom Schuss. Aber dafür könnte man sich vielleicht den Luxus eines Arbeitszimmers leisten, eine Küche, in der auch der Esstisch Platz findet. Und eine Badewanne! Und dort gäbe es sicher auch einen Balkon, auf dem man im Sommer wieder grillen könnte. Einen Schritt weiter ins Erwachsenenleben. Eine solide Entscheidung treffen und bodenständige Argumente heranziehen. Ach, wie spannend! Ein neues Kapitel beginnt!

Phase II: Willkommen in der Realität – Die bittere Wahrheit

Kaum ist die Bestätigung der Kündigung eingegangen, schon wird es ernst. Der Wohnungsmarkt: ernüchternd. Absteigen im Format eines Kaninchenkäfigs für horrende Summen. Wo sind wir denn hier gelandet? Ich meine… Man wohnt doch nicht in München! Selbst am Stadtrand: Angebote für Sammelbesichtigungen, hohe Nachfrage für maximal mittelmäßige Räumlichkeiten. Aber Kopf hoch, alles nicht so schlimm. Es sind ja noch viele Wochen Zeit, bis tatsächlich schon wieder alle Habseligkeiten in Folie, Papier und Kartons verpackt, Schränke geleert und auseinander gebaut werden müssen… Was geht überhaupt mit, was bleibt hier und was wandert gleich in den Müll? Stopp! Erst mal aufs Wesentliche konzentrieren: Eine neue Wohnung muss her. Ein früherer Makler teilte einmal den schlauen Rat mit mir, bei der Suche noch die närrischen Faschingstage abzuwarten. Danach gingen tatsächlich zahlreiche Beziehungen in die Brüche, weshalb das Angebot an Zwei- und Dreizimmerwohnungen deutlich in die Höhe schießen würde. Einen Versuch ist es wert. Doch die ehemalige Vermieterin steht schon in den Startlöchern: Wann sie Besichtigungstermine anbieten könne, ob man die Küche in der Wohnung belasse und bis wann man denn frühestens raus sein könnte. Jetzt heißt es: Ruhe bewahren! Vielleicht sogar erst mal auf den Alltag konzentrieren. Man ist ja vielbeschäftigt! Und abends, wenn das Tagewerk vollbracht ist, kann man immernoch still und heimlich den Markt checken, ganz anonym, über das Internet. Bei Interesse ganz unverbindlich das Profil checken. Und falls nicht? Einfach weiter wischen! Die hier sieht doch ganz gut aus! Da wird bei der Anfrage genau selektiert, welche Infos man preisgibt… Keine Haustiere! Das hört man doch gern. Und monatliches Einkommen… Nun ja, da schreib ich erst mal nichts hin. Man präsentiere sich im besten Licht!

Phase III: Torschusspanik und der Blick zurück

Zeit vergeht. Die erste Absage ist eingegangen. Sie haben sich für einen anderen Interessenten entschieden… Na klar! Sicher verdient der mehr als ein armer Student mit mehreren Nebenjobs. Vielleicht war er auch freundlicher, professioneller. Hab ich denn überhaupt eine Chance, wenn die Nachfrage so groß ist? Und eine Besichtigung hab ich sogar selbst abgesagt. Ich bin vorher einfach ganz frech hingefahren und hab mir das Haus mal von außen angesehen. Die Bilder waren geschönt, die Gegend heruntergekommen und die Anbindung an das öffentliche Leben im Stadtkern doch nicht so gut wie man sich vorher eingeredet hat. Oh, könnte ich doch nur hier bleiben! Es war doch nicht alles schlecht, oder? Was, wenn ich nichts Neues finden werde, was so gut sein wird wie das hier war? Ich meine, ja, der Abzug im Badezimmer hat noch nie funktioniert und auch die Heizung nicht. Aber zählt das nicht noch zu morbidem Charme? Wie schön waren stattdessen die lauen Sommerabende auf dem Balkon! Und diese Aussicht an Silvester! Es gab doch auch gute Zeiten und jetzt werfe ich das alles weg, nur um schon wieder diesen Schritt ins Ungewisse zu gehen? Was ist nur in mich gefahren?! Nunja, es ist wohl zu spät um nochmal an die Tür zu klopfen, um Verzeihung zu bitten und einen Neuanfang vorzuschlagen.

Phase IV: Die Suche nach der einen, großen Liebe

Hier steh ich nun, ich armer Tor und bin so zufrieden als wie zuvor. Die Suche dauert an. Und wer im tiefsten Grunde seines Herzens ein Optimist ist, der gibt die Hoffnung nicht auf. Irgendwo wartet sie auf mich, die eine, große Liebe. Vielleicht taucht sie erst in letzter Sekunde auf. Aber wenn der Tag gekommen ist und ich die Wohnung zum ersten Mal betreten werde, dann wird der Funke direkt überspringen. Eine leise Stimme in meinem Inneren wird mir zuflüstern: „Das ist sie!“ Die Augen werden leuchten und jeder Raum wird neue, positive Überraschungen bereithalten. Ich werd mir vorstellen, wo meine Möbel stehen sollen. Wie ich am großen Fenster mit Blick ins Grüne an meinem Schreibtisch sitze und inspiriert vom kreativen Esprit arbeite. Dort werde ich glücklich werden! Für wie lange? Nun, das steht wohl in den Sternen…

P.S.: Auch wenn dieser Text eher lustig und nahezu satirisch klingt: Wir suchen tatsächlich zum 01. März oder 01. April 2018 eine Wohnung in Saarbrücken. Mind. 55qm, mind. 2 Zimmer und max. 500€ Kaltmiete. Wer etwas weiß, darf sich gerne melden!