Zeitgeist & Diskurs

„Tourist, go home!“ – Über die Arten des Reisens und ihre Konsequenzen

Es wird viel geschimpft über den Menschen in seinem aktuellen Habitus. Die Rede ist von Konsumgesellschaften, Umweltverschmutzern und Klimasündern. Die mahnenden Zeigefinger erheben sich in Richtung Industrie und Handel, die „Big Player“ sind Schuld! Wegen Nestlé verdursten Menschen, VW zerstört unser Klima und in den eigentlich leidtragenden Entwicklungsländern ist der Verzicht auf Plastik längst noch kein Thema, während wir Gutmenschen uns darüber aufregen, wenn eine Salatgurke in Plastik verpackt ist. Doch wenn es uns selbst an den Kragen gehen soll, wird es schnell still um die weltverbesserischen Intentionen.

Wir alle lieben unsere Freiheit. Die meisten sind damit aufgewachsen, manche erleben sie als Errungenschaft, doch niemand will sie gänzlich aufgeben. Neben dem Ruf nach geschlossenen Grenzen, die die Einreise kontrollieren, soll die eigene Möglichkeit zum (Aus-)Reisen unangetastet bleiben. Wir durchwandern oder überfliegen die Welt und fühlen uns dabei ganz bourgeois, gebildet, wie einst schon der Urvater aller Reiseblogger: Johann Wolfgang von Goethe. Des Menschen scheinbar liebstes und nicht weniger kostspieliges Hobby zieht jedoch seine Folgen nach sich – von der*vom Partyurlauber*in bis hin zur*zum chamäleonartigen Individualtourist*in.

Wohin ging deine letzte Reise?

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Deutschland nach der Bundestagswahl – In was für einem Land leben wir eigentlich?

Hier sitze ich nun, vor einem leeren Dokument und all meinen Fragen und Gedanken zur gestrigen Bundestagswahl. Eigentlich habe ich mir selbst geschworen, mich mit politischen Blogposts zurückzuhalten. Denn es ist viel zu leicht, mit dieser Thematik Menschen zu entfremden und mit nur wenigen Worten Fronten aufzubauen, die bei diplomatischerem Gesprächsstoff nie entstanden wären. Auch wenn ich als Privatperson diese Konflikte absolut nicht scheue, so ist Blocksatz.co nunmal ein Dienstleistungsunternehmen, in dem ich mich nicht an Protestwähler oder Menschen politischer Couleur wende, sondern an Kunden. Trotzallem ist es mir nahezu unmöglich, die Geschehnisse dieser Wahlnacht unkommentiert zu lassen. Politisches Engagement und gesellschaftliche Stellungnahmen müssen wieder zu einem salonfähigen Thema werden und einen produktiven Diskurs entfachen. Und so versuche ich mich heute an einer möglichst sachlichen Analyse, die der bewegenden Frage folgt:

In was für einem Land leben wir eigentlich? Weiterlesen

Saarbücken in der Identitätskrise – Zwischen alternativer Subkultur und organisiertem Wahnsinn

Da ist man nicht einmal vier Wochen weg und schon hat die Stadt Saarbrücken den nächsten Streich ausgeheckt: Der neue Gentrifizierungsplan für das Osthafen-Quartier reiht sich ein in die Zerstörung jungen Charmes und alternativer Szene. Ich als Wahl-Saarbrückerin habe in dieser Stadt bisher tatsächlich das „kleine Berlin“ gesehen, doch nun scheint auch die Politik diesem Vorbild nachzueifern: Ganz nach dem Motto „Hallo Kreuzberg“ sollen bald Luxuswohnungen statt bezahlbarem Wohnraum, englischer Rasen statt Natur und Möbelhaus statt Industriekultur den Osthafen prägen.

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1001 Nacht auf deutsch: Der orientalische Markt in Saarbrücken-Burbach

Da die letzten Tage bei mir unheimlich viel los war, bietet sich heute die Gelegenheit, euch ein Stückchen durch die Zeit reisen zu lassen. Es geht zurück zum 20. Mai und zwar auf den Burbacher Marktplatz in Saarbrücken. Jedes Jahr findet dort der orientalische Markt statt, auf dem die Multikulturalität des Stadtviertels aufgegriffen und als mittlerweile beliebtes und gut besuchtes Event nach außen getragen wird. Weiterlesen

Vom Wunsch nach mehr „Gender-Mainstreaming“ und warum ich Feministin bin

„Ich habe lange gezögert, ein Buch über die Frau zu schreiben. Das Thema ist ärgerlich, besonders für die Frauen; außerdem ist es nicht neu. Im Streit um den Feminismus ist schon viel Tinte geflossen, zur Zeit ist er fast beendet: reden wir nicht mehr davon. Man redet aber doch davon.“

Die Anführungszeichen verraten es schon: Diese Worte stammen nicht von mir, sondern von Simone de Beauvoir und sie wurden – aufgepasst – im Jahre 1949 geschrieben. Warum sie immer noch so aktuell sind und was es für mich bedeutet Feministin zu sein, darum wird sich der heutige Blogpost drehen. Weiterlesen

Wie ein Minimalist wohl ohne Gabel isst? Von der Zweckentfremdung einer Lebenspraxis

Die ewige Suche nach beständigem Glück beschäftigt unsere Gesellschaft in Zeiten von vergänglichen Statussymbolen wie Schönheit, modernen Konsumartikeln und finanziellem Reichtum zunehmend. Eine ursprünglich religiöse Praxis erlebt nun ihren neuen Höhepunkt: Unter Minimalismus versteht man die Reduzierung des persönlichen Eigentums auf die Gegenstände, die man für das tägliche Leben unabdinglich benötigt. Weiterlesen